Obdachlose auf Wohnungssuche – ein großer Schritt, der viel Überwindung kostet

Menschen, die Jahre oder gar Jahrzehnte auf der Straße gelebt haben, sind körperlich und geistig nicht in einem Bestzustand. Mangelnde Hygiene, Krankheiten, die nicht auskuriert und behandelt werden, Suchtabhängigkeiten und psychische Probleme sind nicht die besten Voraussetzungen, um eine Wohnung zu finden. Dennoch kann es gelingen, wenn der Wille nach einem geregelten Leben und einem warmen Dach über dem Kopf noch da ist oder wieder aufflammt.

Viele Jugendliche finden sich unter den obdachlosen Menschen, sie sehen keine Perspektiven mehr, sind durch schlimme Zustände im Elternhaus in die Obdachlosigkeit abgerutscht und reagieren entsprechend aggressiv, durch unverarbeitete Schicksale. Ältere Menschen sind zu kraftlos oder zu müde, um einen Neuanfang zu wagen. Für alle Obdachlosen stehen aber die Hilfsangebote der sozialen und kirchlichen Einrichtungen offen, auch wenn nur bei den „unfreiwillig“ Obdachlosen ein Anspruch auf Unterbringung besteht. Dazu gehören Menschen, die wohnungslos sind und nicht über einen Mietvertrag für eine Wohnung verfügen, Menschen, die vom Wohnungsverlust bedroht sind und alle, die aufgrund einer fehlenden Unterkunft bei Freunden oder Verwandten unterkommen. Obdachlose, die nichts an ihrer Situation ändern wollen und auch von Stadt zu Stadt ziehen, werden rechtlich als Nichtsesshafte eingestuft und haben daher keinen Anspruch auf eine Unterbringung.

Der erste Schritt

Der erste Schritt ist der schwerste Schritt, denn Obdachlose müssen den Willen zeigen und auch mitarbeiten. Viele obdachlose Menschen suchen Einrichtungen, wie die Tafeln oder Schlafplätze, auf. Hier können sie einen Mitarbeiter ansprechen, wenn sie das Leben auf der Straße endgültig hinter sich lassen wollen. Der direkte Weg zu einen Sozialamt oder zum Jugendamt fällt in der Regel schwer oder ist sogar aus psychischer Sicht gar nicht möglich. Sozialarbeiter, die sich in vielen der sozialen Einrichtungen, in denen sich Obdachlose aufhalten, befinden, sollten hier die Brücke in die Gesellschaft sein. Aber schon der Weg zu einer dieser Einrichtungen ist ein erster Meilenstein. Denn so kann mit Hilfe der Mitarbeiter zunächst der Aufenthalt in einer Sammelunterkunft organisiert werden, auch Tagesaufenthaltsstätten, in denen eine richtige Körperpflege und das Wäschewaschen möglich sind, können vermittelt werden.

Kann der Obdachlose dann eine Adresse, unter der er erreichbar ist, vorweisen, z.B. Sammelunterkunft, dann sollte der nächste Schritt der Gang zum Sozialamt oder zum Arbeitsamt sein, um Leistungen zu beantragen. Sind die Leistungen bewilligt, dann kann er sich auf die Suche nach einer Wohnung begeben. Hier ist es sinnvoll, einen Sozialarbeiter mit ins Boot zu holen, damit Probleme bei der Wohnungssuche und der Kommunikation vermieden werden. Denn viele Obdachlose wissen gar nicht mehr, wie soziale Beziehungen funktionieren und können durch einen falschen Satz schon gleich wieder eingeschüchtert werden. Eine psychologische Betreuung ist durch den Erhalt von Sozialleistungen möglich, da dann auch wieder Beiträge an die Krankenkasse gezahlt werden. Das ist für Obdachlose eine wichtige Begleithilfe, denn sonst können sie den doch beschwerlichen Weg in das „normale“ Leben zurück selten schaffen.

Zurück in die Vergangenheit

Bei vielen Obdachlosen existiert noch eine Familie im Hintergrund, die sich sogar freuen würde, wenn es ein Lebenszeichen von dem „Verschollenen“ gibt. Auch das ist eine Möglichkeit, wieder Fuß zu fassen. Viele Streitigkeiten sind in der Regel schon verjährt und einen Versuch sollte es wert sein. Oftmals liegen hier die Probleme oder die Auslöser für das Obdachlosendasein und wer sich stellt, der kann nur gewinnen. Auch hier können sich obdachlose Menschen eine Stütze durch Sozialarbeiter zur Seite stellen lassen, die sie zu einem Besuch von Familienangehörigen begleiten. Das nimmt einen großen Teil Angst, denn man ist der Situation nicht alleine ausgeliefert.

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