Wohnstil

Die ungebrochene Lust auf den natürlichen Wohnstil

Nachhaltigkeit und nachwachsende Rohstoffe bestimmen nicht nur die neuen Energieverordnungen, generell geht der Trend zum natürlichen Wohnen. Es werden mehr Holzhäuser gebaut als je zuvor, Holzmöbel verdrängen die Kunststoffmöbel und überhaupt ist „Back to the roots“ angesagt. Doch der natürliche Wohnstil hat nicht nur etwas mit der Einrichtung und der Hausfassade aus natürlichen Materialien zu tun, auch die Wand- und Bodengestaltung mit natürlichen Farben und Putzen oder Bodenbelägen gehört dazu. Die meisten von uns kennen nur Latex- und Dispersionsfarben, Kunstharzlacke und Laminat. Synthetische Materialien kommen bei den Renovierungs- und Sanierungsmaßnahmen nach wie vor in großem Maße zum Einsatz, ohne dass man sich großartig Gedanken darüber macht.

Das war bei unseren Vorfahren anders. Sie mussten mit dem bauen, was Erde und Natur zu bieten hatten. Tierische, pflanzliche und mineralische Werkstoffe kamen zum Einsatz, von denen wir heute auch wieder einige neu entdecken, wie zum Beispiel Lehm. Aber die wachsenden Ansprüche haben die Natürlichkeit im Laufe der Jahrhunderte verdrängt. Der Konsumzwang bringt Billigware mit sich und den kleinen Geldbeutel erfreut das natürlich. Langlebigkeit, Widerstandsfähigkeit, einfache und schnelle Verarbeitung – das steht heute bei Werkstoffen und Materialien im Vordergrund. Doch was sich in punkto Kleidung sehr schön zeigt, das wirkt sich auch auf das Wohnumfeld aus. Baumwolle ist trageangenehm und Nylonfasern geraten zunehmend auf das Abstellgleis. Dass chemische und synthetische Verbindungen auch in der Wohnung für gesundheitliche Probleme sorgen, das ist besonders durch Lacke und Farben deutlich geworden. Natürlich Wohnen heißt also auch auf die Herkunft der Materialien und die Verarbeitung zu achten. Pflanzenfarben wirken anders, als synthetisch hergestellte Farben und an einem gemaserten Holz wird Beständigkeit sehr deutlich.

Deswegen ist ein natürlicher Wohnstil keinesfalls gleich zusetzen mit dem reinen Kopieren von alten Techniken zur Wand- und Bodengestaltung und es ist auch nicht damit getan, sich einen alten Bauernschrank ins Wohnzimmer zu stellen. Natürliches Wohnen wird nicht nur vom ländlichen Stil einer Region begründet, sondern ist überall auf der Welt zu finden. Fremde Kulturen erstellen noch heute in Handarbeit viele Naturprodukte, wie Schalen, Töpfen, Körbe und mit Handwerkskünsten, auf die sich bei uns kaum einer mehr versteht. Gewebte Wollteppiche, geflochtene Korbwaren, handgefärbte Baumwollstoffe – all das gehört zum natürlichen Wohnstil auch dazu. Afrika, Indonesien, Mexiko, Südamerika sind Vorbilder für diesen Wohnstil. Die japanische Wohnkultur zeigt ebenfalls eine große Erd- und Naturverbundenheit. Dekorationen in schlichter Eleganz und die Möblierung mit beeindruckender Kargheit haben auch bei uns für Umdenken gesorgt. Aber immer noch fällt es uns schwer, wirklich richtig auszumisten und endlich mehr Klarheit in unseren Wohnraum zu bringen. Aber auch das zeichnet den naturverbundenen Wohnstil aus. Weniger Kunst und Krempel, dafür mehr Freiraum und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Tapeten aus handgeschöpftem Papier, in das Gräser und Pflanzen eingebettet sind oder aber Bambushölzer, die zu Möbeln und anderen, nützlichen Gegenständen verarbeitet werden, prägen den natürlichen Wohnstil auf eine besondere Art und Weise. Unbearbeitetes Holz, Natursteine, Muscheln – die Möglichkeiten sind unbegrenzt. Eine optimale Raumgestaltung im Sinne von unverfälschter Natürlichkeit zaubert mit wenig Mobiliar und der geschickten Kombination von Proportionen, Strukturen, Texturen und Kontrasten das wirklich ursprüngliche Wohngefühl.