Torfit

Torfit ist die Bezeichnung für einen steinähnlichen Baustoff auf der Grundlage von Torf. Sein besonderes Merkmal liegt in seiner chemischen Zusammensetzung. Diese sorgt dafür, dass Urin, der an dem Torfit haftet, seinen Geruch verliert. Vor allem in den 20er Jahren des vorherigen Jahrhunderts nutzte man ihn aufgrund dieses antiseptischen und geruchsbindenden Effekts, um Urinalanlagen in öffentlichen Gebäuden und Bahnhöfen daraus herzustellen. Dazu wurde er in Formstücken und Platten angeliefert, aus welchen die Böden und Wände der Toilettenanlagen produziert wurden. Diese Ziegelplatten hatten eine stattliche Größe, und wurden aus Torf gebrannt, einer Vorstufe von Kohle, die in Mooren entsteht. Man konnte die Platten fast fugenfrei an die Wände und Böden der Sanitäranlagen anbringen, da sie so groß waren. Die Torfit-Platten ließen sich nicht nur sehr leicht verarbeiten, sondern waren auch äußerst einfach zu reinigen, was ihrer glatten, pflegeleichten Oberfläche zuzuschreiben ist. Auch preislich gesehen war Torfit eine günstige Wahl. Seine hohe Robustheit war eine weitere der Eigenschaften, die ihm kurzzeitig breitflächige Verwendung verschafften.

Doch schon nach kurzer Zeit überwogen die Nachteile des Baustoffs und seine Glanzzeit war rasch vorbei, da er recht unansehnlich ist und schon nach kurzer Zeit unschöne Verfärbungen auftreten. So verloren die Architekten bereits nach wenigen Jahren das Interesse an diesem Baustoff und es wurden neue Lösungen gesucht. Moderne Toiletten sind mit Wänden und Böden aus Schieferplatten, Marmor, Rohglas, glasiertem Ton oder anderen Materialien ausgestattet. Noch heute gibt es in in den Toiletten einiger alter Bahnhöfe Torfit. Davon abgesehen benutzt man das Material aber kaum noch.