Tapeten

Geschichte und Gegenwart der Tapete – das Tapetenmuseum in Kassel

Tapeten beschäftigen die Menschheit schon seit Ewigkeiten. Nach den Wandmalereien als Vorläufer hielt die Bespannung der Wände mit Stoff und Leder Einzug in die vornehmen Häuser, bevor dann die Papiertapete eine wahnsinnige Revolution darstellte, die sich auch der kleine Geldbeutel leisten konnte. Doch Tapetengeschichte ist mehr, als nur die Art der Tapete, Muster und Motiv. Sie ist auch immer ein Stück Zeitgeschichte und Kultur. Heute vermischen sich alle Facetten in den neuen Tapetenkollektionen. Und der Boom für das Tapezieren ist nach wie vor ungebrochen.

Eine wirklich tolle Webseite mit vielen! Bilder/Infos!

Anschrift:

Museumslandschaft Hessen Kassel
Schloss Wilhelmshöhe
Schlosspark 1
34131 Kassel

Webseite:

tapeten.museum-kassel.de

Wer sich über die Geschichte der Tapete von den Anfängen bis Heute informieren möchte, der hat im Tapetenmuseum in Kassel ausreichend Gelegenheit. Hier kann man sich Inspirationen für die eigenen vier Wände holen oder aber einfach nur mit offenem Mund staunen, was in den vorigen Jahrhunderten so an die Wand kam.

Im 17. und 18. Jahrhundert schmückten Goldledertapeten und handgemalte Tapeten mit chinesischen Mustern die Wände der Reichen und Schönen. Die ersten Drucke auf Papier wurden noch mit geschnitzten Holzmodeln durchgeführt. Diese Handarbeit kann man sich heute nur noch nostalgisch vorstellen, denn sie war sehr zeitaufwendig. Die Motive mussten erst als Model geschnitzt werden, dann wurde das Model in die jeweilige Farbe getaucht und auf das Papier aufgedrückt. Farbe war damals noch eine sehr natürliche Angelegenheit und wurde aus Pflanzen, Kreide oder Kohle gewonnen. Eines der Highlights im Deutschen Tapetenmuseum ist die Tapete Amor & Psyche, die in perfektionierter Handarbeit im Modeldruckverfahren vor ca. 200 Jahren angefertigt wurde. Sie erzählt in mehreren Tapetentafeln das weltbekannte Kunstmärchen des ungewöhnlichen Liebespaares. Allein für diese Tapete wurden damals 1245 verschiedene Holzmodel geschnitzt.

Um 1785 wird der Rollendruck datiert, den Jean-Baptist Reveillon erfunden hat. Bereits 1850 konnte auf Maschinen im Rotationsdruck mit mehreren Farben gleichzeitig gedruckt werden. Holzdruckwalzen mit kunstvollen Formen kamen zum Einsatz. Heute werden Tapeten auf modernen Maschinen im Vierfarbdruck in einem Bruchteil der Zeit hergestellt, die damals dafür aufgewendet werden musste.

Das Deutsche Tapetenmuseum wurde 1923 von Gustav Iven, einem Tapetenhändler, in Kassel gegründet und hat sich beachtlich entwickelt, so dass der Platz im hessischen Landesmuseum zu klein geworden ist für die zahlreichen Schätze des 16. bis 20. Jahrhunderts. Mehr als 23000 Exponate zählt das Museum. Handgedruckte, französische Panoramatapeten, Goldledertapeten, ostasiatischer Wandschmuck, Tapeten der wilden Pop-Art-Ära und vieles mehr warten auf die Besucher, die auch jede Menge über die historischen Herstellungsverfahren bei einem Rundgang erfahren.

Auch mit dem Restaurieren von alten Tapeten beschäftigt sich das Tapetenmuseum und hat dabei viele unterschiedliche Arbeitsschritte zu bewältigen. So gibt es die Feuchtreinigung auf Unterdrucktischen und die Trockenreinigung mit speziellen „Radiergummis“. Auch der Schutz der alten Farbpigmente ist wichtig, dafür kommt Gelatine, die aufgesprüht wird, zum Einsatz. Die Restauration von Rissen erfolgt mit Maulbeerpapier.