Steinkohlenteer

Bei Steinkohlenteer handelt es sich um eine Nebenprodukt, das bei der Gewinnung von Koks aus Steinkohle entsteht. Es ist eine schwarze, zähflüssige Masse mit üblem Geruch. Steinkohlenteer setzt sich aus vielen Tausenden, größtenteils aromatischen Verbindungen zusammen, darunter Phenolen, stickstoffhaltigen Basen und Kohlenwasserstoffen. Wenn man Steinkohle unter Luftausschluss in geschlossenen Gefäßen auf eine Temperatur zwischen 650°C und 800°C erhitzt, kommt es zur Zersetzung der Kohle in 80% Koks, jeweils 5% Ammoniak und Steinkohlenteer sowie 10% Gas. Das bei diesem Prozess hergestellte Hauptprodukt Koks nutzt man, um Eisen herzustellen. Etwa die Hälfte des Teers gewinnt man als Teerpech. Dieses wurde früher im Straßenbau eingesetzt. Pech ist inzwischen das Hauptprodukt und man benutzt es vor allem als Bindemittel für die Anoden bei der Herstellung von Aluminium.

Steinkohleteer benutzt man beispielsweise für Dachpappe und als Holzschutzmittel für Eisenbahnschwellen und weitere Zwecke. Ehemals und zum Teil noch heute wurden bzw. werden aus Steinkohleteer auch diverse Chemiesubstanzen gewonnen. Mit gereinigten Extrakten, die man aus Steinkohlenteer gewinnt, behandelt man zum Teil Hautkrankheiten wie chronische Ekzeme, Neurodermitis und Schuppenflechte. Steinkohleteer hat eine insektizide, fungizide und bakterizide Wirkung. Der Gesetzgeber in Deutschland untersagt jedoch die Verwendung von Steinkohleteer in Kosmetikprodukten, da dieser Krebs auslösen kann. Nur in ärztlichen Verschreibungen ist es erlaubt.

Wenn man Steinkohleteer destilliert, gewinnt man dabei Chemikalien wie Fluoren, Chinolin, Anthracen, Phenanthren, Carbazole, Phenantren, Biphenyl, Dibenzothiophen und weitere. Dazu wendet man das Verfahren der fraktionierten Destillation an und kristallisiert die Mischung anschließend. So kann man fünf Fraktionen trennen. Diese sind Carbolöl, Leichtöl, Naphtalinöl, Waschöl sowie Anthracenöl.