Investitionsruhe

Das Produkt, was beim Bau einer Immobilie herauskommt, wird zunächst einmal Bauwerk genannt. Es wird im sogenannten Bauprozess hergestellt, welcher sich in Bauplanung und Bauausführung gliedert. Diese Phase nennt man Bauphase, an die sich in der Regel die Nutzungsphase anschließt, nämlich die Phase, in der das Bauwerk als Immobilie verkauft oder vermietet und anschließend bewohnt oder als Ladenfläche genutzt wird. Wenn ein Bauwerk aus verschiedenen – meist finanziellen – Gründen nicht fertiggestellt werden kann, dann spricht man in der Regel von einem “unvollendeten Bauwerk”.

Ein umgangssprachlicher, aber auch beschönender Begriff für diese Stagnation ist die “Investitionsruhe”. Dazu kann es kommen, wenn ein Bauwerk begonnen wurde, ohne, dass vor Beginn des Baus alle Genehmigungen eingeholt wurden – zum Beispiel eine Baugenehmigung für alle Bereiche des Grundstücks oder eine Genehmigung für eine bestimmte Höhe des Bauwerks. Des Weiteren kann dies passieren, wenn dem Investor während der Bauphase das Geld ausgeht. Dies kann passieren, wenn zum Beispiel Sponsoren wegbrechen, wie es häufig bei öffentlichen Gebäuden im kulturellen Bereich passiert, aber es kann auch simpel daran liegen, wenn das Bauwerk am Ende doch teurer wird, als es eingangs geplant war. Hin und wieder kommen Erschwernisse dazu, zum Beispiel, dass ein Zulieferer einiger Teile Pleite geht und so ein neuer, eventuell teurerer Zulieferer gefunden werden muss, aber auch, wenn unerwartete Probleme beim Bebauen eines Grundstücks auftreten, zum Beispiel, wenn im Erdreich Teile von anderen Bauten oder gar Kriegsnachlässe gefunden werden, deren Beseitigung zu erhöhten Kosten führt.

Auch durch verschiedene Witterungseinflüsse kann sich ein Bau verzögern, so ist es auf bestimmtem Untergrund nicht möglich, bei anhaltenden, schwerwiegenden Regengüssen zu bauen; an anderer Stelle lassen sich Materialien bei zu großer Trockenheit oder Feuchtigkeit nicht ausreichend gut verarbeiten. Eine sogenannte Investitionsruhe kann man vermehrt in Ländern des südlichen Europas sehen, zum Beispiel in Spanien oder Griechenland. Hier wird planmäßig gebaut, solange das Geld reicht; ist das Geld aufgebraucht, liegt der Bau erst einmal brach, bis wieder Geld nachkommt – manchmal kann dies Monate oder Jahre dauern, sodass viele Gebäude brachliegen und die Straßen von Bauruinen gesäumt sind. In vielen Ländern gibt es Fristen, die vorschreiben, in welchem Zeitraum ein Bauwerk fertigzustellen ist, mitunter muss nach einem bestimmten Zeitraum eine erneute Baugenehmigung eingeholt werden. Während in den Ländern Südeuropas meist mangelnde Finanzierung ein Grund für unvollendete Bauwerke ist, ist es in Westeuropa häufig die Bürokratie, die einen Bau zum Erliegen bringt, da die nötigen Genehmigungen teilweise von verschiedenen Behörden und Ämtern geholt werden müssen, was der Unübersichtlichkeit des Bauwesens sehr zuträglich ist.